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Frau L. aus Nordenham rief an und meldete einen Jungschwan, der seit zwei
Tagen in ihrem Garten in Friedrich-August-Hütte saß und sich nicht von der
Stelle rührte. Sie war ziemlich ratlos, denn sie hatte in der Zwischenzeit schon beim regionalen Tierschutzverein angerufen, wo sie einfach niemanden erreichen konnte, wie sie sagte. Auch im Nordenhamer Tierheim hatte sie es versucht, den Anrufbeantworter abgehört und anschließend alle darauf genannten Telefonnummern durchprobiert - ohne Erfolg. Ebenso wenig Glück hatte sie bei der Tierarztpraxis Siepelmeyer - da war noch keine Sprechstunde. Die Polizei erklärte sich für nicht zuständig... Kein Wunder, dass Frau L. sich mittlerweile reichlich allein gelassen fühlte. |
Als Suchdienst für zugelaufene oder verloren gegangene Haustiere gehören Schwäne eigentlich nicht zu unserer üblichen Klientel - vom Grundsatz her ist das eine Tierschutzangelegenheit. Aber natürlich konnten wir weder den Schwan, noch die verzweifelte Frau L. mit ihrem Problem allein lassen, deshalb setzten wir uns mit der Wildtierauffangstation in Rastede in Verbindung. Dort erklärte man sich auch bereit, den Vogel aufzunehmen... wenn sich denn jemand finden würde, der ihn dort hinbrächte... So. Na gut. Heidi setzte sich ins Auto und fuhr erstmal nach FAH, um sich in Frau L.'s Garten den Schwan persönlich anzusehen. Der saß noch immer wie angewachsen und ließ sich sogar ohne Weiteres fotografieren. Nach einigen vergeblichen Versuchen erreichte Heidi - den Vogel immer im Blick - dann doch noch per Handy die erste Vorsitzende des regionalen Tierschutzvereins, erklärte die Notlage und bekam zur Antwort, dass man dort auch nicht so recht wisse, was zu tun sei... und man müsse darüber mal in Ruhe reden... Tja. Klasse. Das half weder dem armen Schwan, noch der ratlosen Frau L. und Heidi war doch ziemlich verblüfft über diese Haltung. Nach Rastede zu fahren - diese Aussicht fand sie nicht sonderlich reizvoll, davon abgesehen, dass sie auch gar nicht so viel Zeit hatte... hin und zurück und mit dem notwendigen Aufenthalt zur Klärung der ganzen Angelegenheit würde das sicher gut zwei bis zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen; und, noch mal, das gehörte definitiv in den umfassenden Aufgabenbereich von Tierschützern. Was also tun? Dann hatte sie die rettende Idee: Der Nordenhamer Bauhof! Die würden sicher behilflich sein... Ein Anruf genügte, und die notwendige Unterstützung wurde zugesagt. Während man sich von dort auf den Weg machte, setzte Heidi den bereits vollkommen entkräfteten Vogel in einen großen Karton - ihr war die Nordenhamer Seenplatte eingefallen: Dort waren doch immer Schwäne! Mit der Hilfe der Männer vom Bauhof wurde der Ärmste nun also dort hingebracht und auf einem der Seen konnte man tatsächlich zwei andere Jungschwäne schwimmen sehen, die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um 'Familienangehörige' handelte, war groß. Also setzte man den Pechvogel ganz nah am Ufer ab, um zu sehen, was er tun würde und ob er überhaupt in der Lage wäre, sich aus eigener Kraft fortzubewegen - ansonsten stand doch noch die Fahrt nach Rastede an. Aber das war nicht nötig, er rutschte sofort vom Ufer ins Wasser, trank scheinbar eine halbe Ewigkeit aus dem See und schwamm dann den anderen Schwänen entgegen. |
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| Es war ein sehr befriedigendes Gefühl, diesen
Wildvogel, der aus eigener Kraft sicher nicht überlebt hätte und von dem
wir nicht wussten, wie er in einem Garten in Friedrich-August-Hütte
gelandet war, geholfen zu haben. Vielleicht hatte er seine Flugkünste, seine Kraft überschätzt und war sozusagen notgelandet, als er einfach nicht mehr konnte. Hatte sich, ausgelaugt und von der Familie getrennt, möglicherweise aufgegeben. Aber wie auch immer, alles war gut gegangen. Nicht gut finden konnten wir allerdings im Rückblick, dass Frau L. und der Schwan mit ihrem akuten Problem so stehen gelassen worden waren. So viele Ersuchen um Hilfe bei den unterschiedlichsten Stellen, so wenig Echo. Das ist nicht in Ordnung. |
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